Joseph Ratzinger: Papst Benedikt XVI
Er gilt als der strenge Glaubenshüter und als der zweitmächtigste Mann der römisch-katholischen Kirche: Kardinal Joseph Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI
"Dieses Leben ist hart"
Seit 1981 leitet Ratzinger jene vatikanische Behörde, die in früheren Jahrhunderten als Heiliges Offizium bzw. als Inquisitionsbehörde von sich Reden gemacht hat. In der Vergangenheit hat Ratzinger wiederholt durchblicken lassen, dass er sich von der aufreibenden Tätigkeit zurückziehen möchte. "Dieses Leben ist sehr hart. Ich warte ungeduldig auf die Zeit, in der ich noch einige Bücher schreiben kann." Dass ihn der Papst dennoch nicht sofort in den Ruhestand entlässt, kam nicht überraschend. Ratzinger gilt als enger Vertrauter von Johannes Paul und es ist kirchlicher Usus, dass altersbedingte Rücktrittsgesuche erst mit einigen Jahren Verzögerung angenommen werden.
Musikalischer Bruder
Ratzinger wurde am 16. April 1927 In Marktl am Inn in Bayern geboren. Sein um zwei Jahre älterer Bruder Georg ist ebenfalls Priester. Die beiden wurden sogar am 29. Juni 1951 gemeinsam im Münchener Liebfrauendom geweiht eine Seltenheit in der römisch-katholischen Kirche. Doch während sich Georg Ratzinger vor allem für Musik begeisterte er ist heute Domkapellmeister in Regensburg und Leiter der berühmten Domspatzen- zog es Joseph mehr in die Wissenschaft. Er wurde Professor für Dogmatik an den Universitäten Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.
Lehrer Schönborns
Einer seiner Schüler war der nunmehrige Kardinal Christoph Schönborn, der gelegentlich als Nachfolger Ratzingers gehandelt wird. Bei der Erstellung des Weltkatechismus haben Ratzinger und Schönborn als Redaktionssekretär bereits intensiv zusammengearbeitet.
Experte beim II. Vaticanum
Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm der junge Professor als "Peritus" als beratender Experte teil. Damals galt er als Exponent des liberalen Reformflügels. Nachdem er 1981 an die Spitze der Glaubenskongregation berufen wurde, teilten nur noch wenig diese Einschätzung.
Vier Jahre Erzbischof von München
Zuerst wurde Ratzinger aber 1977 zum Erzbischof von München-Freising ernannt. Schon vier Jahre später berief ihn Papst Johannes Paul II. nach Rom. Er hat das Pontifikat des polnischen Papstes entscheidend mitgeprägt. Und wenn Kritiker immer wieder eine "konservative Wende" unter Johannes Paul II. beklagen, dann ist Ratzinger dafür maßgeblich mitverantwortlich.
Gegen die "Theologie der Befreiung"
Im Kampf gegen die "Theologie der Befreiung" stand Ratzinger an vorderster Front. Die diversen Schweigegebote etwa für Leonardo Boff gingen direkt über seinen Schreibtisch. In der Frage der Zulassung von Frauen zum Weiheamt ging Rom 1994 sogar bis zum offiziellen Diskussionsverbot.
Eingriff in den Dialog für Österreich
Kein Wunder also, dass sich Ratzinger auch durch das Kirchenvolks-Begehren irritiert fühlte. Dreimal griff er brieflich in den folgenden "Dialog für Österreich" ein. Er ermahnte die österreichischen Bischöfe auf dem Fundament der katholischen Glaubenslehre zu bleiben und wies die Forderungen des Kirchenvolks-Begehrens zurück. Wörtlich sprach er von einem "unannehmbaren, demokratischen Kirchenmodell".
Schwangerenkonfliktberatung
In seiner Heimat Deutschland engagierte er sich in den vergangenen Jahren besonders stark im Streit über die kirchliche Beteiligung an der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung. Ratzinger hatte den Rückzug verlangt, und der Papst folgte am Ende seiner Linie. Mit der Ausgabe von Beratungsscheinen für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch mache sich die Kirche, die Abtreibung grundsätzlich ablehne, mitschuldig am Tod ungeborener Kinder.
Kritik an "Dominus Iesus"
International und weit über die katholische Kirche hinaus hat Ratzinger zuletzt mit dem Dokument "Dominus Iesus" für Aufsehen gesorgt. Von kirchlicher Seite wird es mittlerweile als "Anti-Relativismus-Dokument" bezeichnet für die Kritiker bringt es den Absolutheitsanspruch und das Überlegenheitsgefühl Roms gegenüber den anderen christlichen, vor allem aber den anderen Religionen gegenüber zum Ausdruck.
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